ESG Blog

Wie nachhaltig ist die Fußball‑WM?

Umwelt
NIU answers: Klima, Klimaneutralität
11. Juni 2026
MANZ Online Redaktion

Die FIFA gibt sich ambitioniert: Nachhaltigkeit ist fixer Bestandteil der Verbandsstrategie. Internationale Turniere sollen künftig klimafreundlicher werden. Die kommende WM in den USA, Kanada und Mexiko zeigt allerdings, wie schwierig die Ziele umzusetzen sind.

Noch nie war eine Fußball-Weltmeisterschaft größer: 2026 wird sie erstmals mit 48 Teams und insgesamt 104 Spielen ausgetragen. Gespielt wird in drei Ländern und 16 Städten – mit enormen Reisedistanzen für Teams, Fans und Medien. 

Wie lässt sich das mit ambitionierten Nachhaltigkeitszielen vereinbaren?

Die Klimaziele der FIFA

Bereits seit der WM 2014 veröffentlicht die FIFA einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht. Bis 2030 möchte der Verband seine CO2-Emissionen halbieren, bis 2040 „Netto-Null“ erreichen. Dies soll ua durch die Nutzung bestehender Stadien, Recycling- und Kreislaufkonzepte und Emissionskompensation erfolgen. 

Die enorme geografische Ausdehnung der heurigen WM lässt allerdings Zweifel an der ernsthaften Verfolgung dieser Ziele aufkommen. Allein der Flugverkehr in Folge des Turniers soll rund acht Tonnen CO2 verursachen, berichtet das „NewWeather Institute“, ein Thinktank aus den USA, der sich für eine klimaverträglichere Wirtschaft einsetzt. Glaubt man den Einschätzungen der dortigen Klimaexpert:innen, könnte die WM 2026 damit sogar die „umweltschädlichste aller Zeiten“ werden.

Schon für die WM 2022 in Katar versprach die FIFA ein „klimaneutrales“ Turnier – ein Claim, der damals international kritisiert wurde. Konkret bezweifelten Expert:innen die Berechnungsmethoden sowie die Qualität der eingesetzten CO2‑Kompensationen. Das Landgericht Berlin beurteilt die Behauptung der FIFA damals als „irreführend“.

Nicht zuletzt lässt auch der (erneute) Hauptsponsor der FIFA, immerhin der größte Ölkonzern der Welt, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der gesetzten Klimaziele aufkommen.

ESG zwischen Anspruch und Glaubwürdigkeit

Für Unternehmen ist die Debatte rund um die FIFA hochinteressant. Sie beschreibt ein zentrales ESG‑Problem: Ambitionierte Klimaziele allein reichen nicht – entscheidend sind belastbare Maßnahmen und nachvollziehbare Daten. Gerade Großveranstaltungen geraten zunehmend unter Druck, Emissionen transparent offenzulegen, Klimaversprechen belastbar zu dokumentieren und Greenwashing‑Vorwürfe zu vermeiden.

(Quellen: New Weather Institute: newweather.org/wp-content/uploads/2025/07/FIFAs_climate_blind_spot.pdf, FIFA Sustainability Strategy, Greenpeace, UN Sports for Climate Action Framework.)