Seit 12. 8. 2026 ist die „Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR)“ EU-weit in Kraft. Verpackungen sollen dadurch kreislauffähiger, ressourcenschonender und besser recycelbar werden. Wie bewerten Branchevertreter die neuen Vorgaben?
Die PPWR schafft europaweit einheitliche Regeln für die Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit von Verpackungen. Der bisherige regulatorische „Fleckerlteppich“ wird durch einen gemeinsamen Rechtsrahmen ersetzt.
Für Marius Trent, Gründer von ViaPackaging und 360PackMastery, ist das ein wichtiger Schritt: „Die PPWR wird auf Vorstandsebene diskutiert. Verpackungskreisläufe sind damit vom Spezialthema zur Managementaufgabe geworden.“
Peter Dobosz von Greiner Packaging, heimischer Spezialist für nachhaltige Kunststoffverpackungen, bezeichnet die PPWR „als die umfassendste Reform des europäischen Verpackungsrechts seit fast drei Jahrzehnten“. Die Harmonisierung sei jedoch nur der erste Schritt: Für die praktische Umsetzung würden noch die europäischen CEN-Standards (durch das Europäische Normungsgremium Comité Européen de Normalisation) fehlen. Erst diese ermöglichen eine einheitliche Bewertung von Recyclingfähigkeit, Verpackungsminimierung, Wiederverwendbarkeit und Kompostierbarkeit.
Markus Müller, Sustainability Regulatory Expert bei der MM Group mit Sitz in Wien, sieht die zentrale Herausforderung darin, regulatorischen Vorgaben frühzeitig in konkrete Verpackungsstrategien zu übersetzen. MM Packaging beschäftige sich daher schon seit Langem mit Themen wie Rezyklierbarkeit, Rezyklateinsatz und den künftigen Anforderungen an Verpackungsdesigns. Zudem erwartet Müller, dass Schwerpunkte der PPWR, wie die Wiederverwendung und Abfallvermeidung, auch außerhalb Europas an Bedeutung gewinnen werden.
Auch bei Constantia Flexibles, einem der weltweit größten Hersteller von flexiblen Verpackungen, wird die PPWR als Startpunkt einer Entwicklung hin zu weniger Abfall und mehr Kreislaufwirtschaft gesehen. Auch Constantia weist darauf hin, dass zahlreiche Vorgaben noch konkretisiert werden müssen. Daher spreche man bewusst von „PPWR ready“ und nicht von einer bereits vollständigen PPWR-Compliance.
Der Blick in die Branche zeigt jedenfalls ein klares Bild: Die Stoßrichtung der PPWR wird überwiegend begrüßt. Die eigentliche Herausforderung liege nun in der Umsetzung. Denn zahlreiche technische Anforderungen, Bewertungsmethoden und Nachweispflichten werden erst durch delegierte Rechtsakte, Durchführungsrechtsakte und harmonisierte Standards präzisiert.
Quellen: https://packagingeurope.com/news/what-the-industry-thinks-as-ceos-appeal-to-clarify-and-push-back-ppwr-rules/14234.article; https://mm.group/de/news/mmgroup/ppwr-und-die-regulatorischen-rahmenbedingungen-verstehen-im-gesprach-mit-dem-sustainability-regulatory-expert-bei-mm-group/; https://cflex.com/sustainability/ppwr/; https://greiner-gpi.com/de/Newsroom/Customer-Success-Stories/Nachhaltige-Verpackungen-in-der-EU-Wie-die-CEN-Standards-die-PPWR-in-die-Praxis-umsetzen_s_366606
Siehe auch: Hauke, Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR): Rechtsrahmen und Praxisansätze, NIU 2026/21 (€)