Der ausklingende Sommer machte erneut deutlich: Österreichs Landwirtschaft steht vor einem Strukturwandel. Ein Forschungsteam der BOKU geht sogar davon aus, dass Hitze und Trockenheit die Landwirt:innen dazu zwingt, das Ernährungssystem entlang der gesamten Wertschöpfungskette komplett neu auszurichten.
„Wir werden nicht alle Betriebsformen in der heutigen Form absichern können“, sagt Marianne Penker, Professorin für Landsoziologie und Ländliche Entwicklung am Institut für Entwicklungsforschung der BOKU Wien. Im Rahmen des Forschungsprojekts COMMUNITYadapt untersuchte sie mit einem Expert:innenteam die Klimawandelanpassungsfähigkeit von Landwirt:innen in Österreich.
In der Branche sei man sich des Problems bewusst, auch die Bereitschaft, sich mit der Klimaanpassung auseinanderzusetzen, sei sehr hoch: 80% der heimischen landwirtschaftlichen Betriebe gehe davon aus, dass der Klimawandel Auswirkungen auf sie hat, 40% sehen das für sie als existenzgefährdend und wolle sich anpassen.
Penker hebt in diesem Zusammenhang besonders den Humusaufbau oder die Umstellung auf Trockenreisanbau, auf Kichererbse oder Olive hervor. Dafür müssten aber noch entsprechende Verarbeitungs- und Vertriebsmechanismen aufgebaut werden. „Resilienz entsteht in der Region“, betont die Wissenschaftlerin. Dafür brauche es entsprechende Experimentierräume für gemeinsame Lernen vor Ort.
Für Johannes Tintner-Olifier vom Institut für Statistik an der BOKU reicht die Anpassung auf Betriebsebene alleine nicht aus. Er fordert einen „Systemwechsel in der Geschäftslogik der ganzen Wertschöpfungskette“. Bei guten Ernten dürften etwa die Preise nicht in den Keller rasseln, damit die Betriebe einen finanziellen Puffer aufbauen können. Denn: „Der ganze Ackerbau wird sich verschieben.“ Die meisten Betriebe seien auf die Transformation aber noch nicht vorbereitet. Das gefährde aktuell eine resiliente, stabile Versorgung.
Soforthilfen in der Landwirtschaft sind für die beiden Forschenden unabdingbar. Noch viel wichtiger seien allerdings langfristige Strategien statt reiner Krisenbewältigung. Tintner-Olifier regt daher einen „nationalen Dialog“ an, bei dem von der Landwirtschaft über die Banken bis zur Politik sich „alle an einem Tisch sitzen und beraten, wohin die Reise gehen soll“.
Penker sieht das österreichische Ziel der Klimaneutralität bis 2040 als Chance und mahnt: „Jedes Jahr, in dem man weiter business as usual macht, ist ein verlorenes Jahr.“ Österreich habe aber viel Potenzial, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen.
Quellen: https://boku.ac.at/wiso/entf/projekte/communityadapt; https://science.apa.at/power-search/8014783908881215696