Die österreichische Klimaökonomin Sigrid Stagl, „Wissenschafterin des Jahres 2024“, fand in einem aktuellen Interview* deutliche Worte: Viele europäische Staaten verwässern zentrale Elemente des European Green Deal. Sie gefährden damit nicht nur ihre Klimapolitik, sondern auch ihre wirtschaftliche Zukunft.
Stagl betont, dass Europa aktuell wieder in ein falsches Narrativ zurückfällt: „Klimaschutz sei teuer und könne später erledigt werden.“ Dabei sei längst belegt, dass Nichtstun ökonomisch deutlich mehr kostet als entschlossenes Handeln. Eine von ihr kürzlich durchgeführte Studie zeigt: Die Kosten des Nichthandelns übersteigen jene des Handelns bei weitem. Beim Nichthandeln gehe es rein darum, die Interessen von bestimmten Klientels, wie etwa Zulieferer von Verbrennungsmotoren, zu bedienen. Damit schütze man aber nicht Europas Volkswirtschaft, sondern beschädige sie.
(Sigrid Stagl, Klimaökonomin und Wissenschafterin des Jahres 2024)
Für Stagl ist außerdem klar: CO₂-Bepreisung und Emissionshandel sind zentrale Säulen einer funktionierenden Klima- und Wirtschaftspolitik. Ohne echte Kostenwahrheit bleiben verzerrte Marktpreise bestehen – und Unternehmen treffen falsche Entscheidungen. Besonders kritisiert Stagl das Vorhaben, Gratiszertifikate zu verlängern und die Ausweitung des Emissionshandels auf ETS2 (Heizen und Verkehr) zu verzögern. Das schade va innovativen, verantwortungsvollen Unternehmen.
Ob Ukraine-Krieg, geopolitische Spannungen oder steigende Energiepreise, für Stagl ist außerdem klar: Mehrere Krisen gleichzeitig sind normal. Jeder Krieg sei für die Umwelt und für die Emissionen natürlich katastrophal, zeige aber, wie fatal die europäische Abhängigkeit von fossilen Energien weiterhin ist. Investitionen in Wind und Photovoltaik würden langfristig helfen die Stromkosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Stagl kritisiert auch die faktische Subventionierung klimaschädlicher Mobilität: Flugbenzin bleibt weitgehend unversteuert, während Bahnfahren oft doppelt so teuer ist. Für sie ein klarer Bruch zentraler volkswirtschaftlicher Prinzipien wie Kostenwahrheit und Verursacherprinzip.
Österreich verpasst aus ihrer Sicht wichtige Chancen: Nach Jahren minimaler Ambition und kurzen Reformimpulsen ruhe man sich derzeit auf fallenden Emissionen aus, obwohl diese zu einem großen Teil auf geringere Wirtschaftsleistung zurückzuführen seien. „Mir fehlt derzeit die Ambition“, so Stagl.
* APA‑Science/Interview mit Klimaökonomin Sigrid Stagl vom 17.03.2026.