ESG Blog

Inklusion braucht mehr als eine Strategie

Soziales
NIU answers ESG Blog: Diversität, Inklusion und ähnliche Themen
23. Juli 2026
MANZ Online Redaktion

Ob Inklusion in Unternehmen tatsächlich gelingt, entscheidet sich häufig in den kleinen Momenten des Arbeitsalltags: im Führungsverhalten, in der Kommunikation und im Wissen darüber, wie Vielfalt konkret gelebt werden kann. 

Wie wirksam etwa interne Wissensförderung sein kann, zeigt eine aktuelle Studie der Universität Aachen: Forschende untersuchten, ob ein praxisnaher Leitfaden zum Umgang mit psychischen Erkrankungen Vorbehalte gegenüber Bewerber:innen mit Depressionen abbauen kann. Das Ergebnis ist eindeutig: Teilnehmende mit Zugang zum Leitfaden entschieden sich mehr als doppelt so häufig für die Einstellung des Bewerbers mit Depression (46,3 %) wie jene ohne zusätzliche Informationen (21,9 %). Sie berichteten von größerer Handlungssicherheit und geringeren Vorbehalten. Sie könnten durch die systematische Darstellung von Unterstützungsangeboten – von betrieblicher Gesundheitsvorsorge bis zu externen Beratungsstellen – zudem realistischer einschätzen, wie eine psychisch kranke Person bestmöglich integriert werden kann. Barrieren entstehen also nicht nur aus reiner Ablehnung, sondern häufig wohl auch aus Unsicherheit mangels Wissen. 

Unterschätzte Mikroprozesse

Dass Inklusionsförderung mehr braucht als DEI-Leitlinien, zeigt auch eine Studie der Universität Sarajevo, die im Rahmen der EUPeace Alliance (siehe unten) durchgeführt wurde. Auch hier rücken oft unterschätzte Mikroprozesse in den Fokus: Wer wird wie in Entscheidungen eingebunden? Werden Informationen transparent weitergegeben? Fühlen sich Mitarbeitende gehört? Solche alltäglichen Interaktionen würden das Zugehörigkeitsgefühl häufig stärker prägen als jede noch so gut formulierte Strategie. 

Im Ergebnis zeigen beide Studien aus unterschiedlicher Perspektive dasselbe Bild: Inklusion scheitert selten an fehlenden Programmen. Entscheidend ist vielmehr, wie diese im Alltag gelebt werden. Wer Inklusion fördern will, sollte deshalb nicht nur Strategien entwickeln, sondern auch Wissen vermitteln, Führungskräfte sensibilisieren und Mikroprozesse im Unternehmen genau im Auge behalten.

Was ist die EUPeace Alliance?

Die EUPeace Alliance ist ein europäischer Hochschulverbund, der Universitäten aus sieben Ländern zusammenbringt. Ziel ist es, Forschung und Lehre zu Frieden, Gerechtigkeit und Inklusion zu vernetzen und wissenschaftliche Erkenntnisse für gesellschaftliche und organisatorische Praxis nutzbar zu machen. 

Quellen:  
https://eupeace.eu/belonging-at-work-what-truly-inclusive-workplaces-look-like-insights-from-an-eupeace-researcher 
https://link.springer.com/article/10.1007/s41449-026-00504-w