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ChangeNOW 2026: Klartext aus Paris

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13. April 2026
MANZ Online-Redaktion

Die ChangeNOW 2026 Anfang April im Pariser Grand Palais hat eines deutlich gemacht: Die Debatte um nachhaltiges Wirtschaften ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein strategisches Muss. Für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft stellt sich weniger die Frage, ob sie sich transformieren, sondern wie. Die wichtigsten O-Töne hier zusammengefasst.

Prinz Albert II. von Monaco eröffnete die Konferenz mit einem Satz, der die Tonlage für die drei Eventtage vorgab: „Wir nähern uns nicht dem Abgrund, wir sind bereits darüber hinweg. Die Frage ist nun, ob wir auf dem Weg nach unten Flügel bekommen.“ Ein unmissverständlicher Befund, vorgetragen in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit politisch wie wirtschaftlich spürbaren Gegenwind erlebt.

Klimaforscher Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ergänzte: „Auch in Zeiten der Dunkelheit gibt es noch Handlungsfenster.“ Eine Mahnung an Entscheidungsträger:innen, den verbleibenden Spielraum nicht zu verspielen.

„Wir nähern uns nicht dem Abgrund, wir sind bereits darüber hinweg. Die Frage ist nun, ob wir auf dem Weg nach unten Flügel bekommen.“

(Prinz Albert II. von Monaco auf der ChangeNOW)

Vertrauen als Veränderungsfaktor

Klimaaktivistin Luisa Neubauer formulierte einen Satz, den sich jede:r auf die Fahnen heften sollte: „Change travels with the speed of trust.“ Angesichts der Tatsache, dass Nachhaltigkeit in Teilen der politischen und wirtschaftlichen Öffentlichkeit derzeit an Rückhalt verliert, sei es wichtiger denn je, das Vertrauen in Entscheidungsträger und Wissenschaft zu stärken.

Dass die Richtung stimmt, bestätigte ChangeNOW-Gründer Santiago Lefebvre, als er daran erinnerte, dass es bei der ersten Ausgabe der ChangeNow kaum möglich gewesen sei, 100 Lösungsanbieter zu finden. Heute seien es 1.000, was Lefebvre als Beleg für die zunehmende Reife des Feldes wertete.

„Change travels with the speed of trust.”

(Klimaaktivistin Luisa Neubauer)

Systemwandel oder Nachbesserung?

Gauthier Acket, Head of Global ESG bei KPMG, verstand in seiner Keynote Nachhaltigkeit primär als Geschäfts- und Risikochance: Unternehmen, die früh elektrifizieren und auf Erneuerbare setzten, seien resilienter gegenüber Volatilitäten der Rohstoffmärkte.

Demgegenüber übte Sandrine Dixson-Declève, Expertin für Energiepolitik und ehemalige Co-Präsidentin des „Club of Rome“, fundamentale Kritik am derzeitigen Wirtschaftssystem: „Wir haben eine Wirtschaft, die vom Profitstreben einiger weniger bestimmt wird. Wenn wir das nicht überwinden, werden wir niemals im Rahmen der planetarischen Grenzen wirtschaften können.“

Paul Polman, ehemaliger Unilever-CEO, konstatierte: „Wenn dein Unternehmen schlecht für den Planeten ist, reicht es nicht, weniger schlecht zu sein.“ Ökonom Timothée Parrique von der Universität Lausanne legte mit einer fundamentalen ESG-Kritik nach: CSR und ESG seien „kein Fehler, sondern ein Schwindel“. Solange Gewinne privatisiert und ökologische Kosten sozialisiert würden, sei grünes Wachstum keine Lösung. Damit berührte die ChangeNOW eine Frage, die auch für Regulierung und Unternehmensrecht zunehmend zentral wird: Reicht bessere Compliance? Oder brauchen wir neue Unternehmens- und Marktlogiken?

Es war aber die Abschlussfrage einer Besucherin, die wohl bei vielen besonders lange nachhallen wird: „Wann fangen wir an, das Fundament zu verändern, statt nur das Dach zu reparieren?“

(Quelle: haufe.de/sustainability/debatte/rueckblick-changenow-2026_575768_681584.html)